Vom Teufelskreis zur Engelsspirale

Hast du dir schon mal Gedanken darüber gemacht, wann du deinem Hund ein Signal gibst? Also wann du ihn rufst, ihm „sitz“ oder „platz“ sagst oder zur Haustüre heraus gehst?

Wahrscheinlich eher nicht. Dabei kannst du durch den richtigen Zeitpunkt der Signalgebung das Verhalten deines Hundes massiv, nachhaltig und schnell von unerwünschtem zu erwünschtem Verhalten verändern.

Du kommst damit ganz einfach aus dem Teufelskreis von ständigen unerwünschten Verhaltensweisen heraus zur Engelsspirale. Bei der Engelsspirale zeigt dein Hund ganz vollautomatisch immer mehr erwünschtes Verhalten.

Wie du in den Teufelkreis geraten bist und immer wieder gerätst, aber vor allen Dingen, wie du herausfindest und dich stattdessen in der Engelsspirale aufhältst, möchte ich dir jetzt erklären.

Wie es zum Teufelskreis kommt

Meist fängt es damit an, dass von uns erwünschtes Verhalten als selbstverständlich angesehen wird. Der kleine Welpe folgt uns und kommt angesaust, wenn wir rufen und wir denken, das bleibt immer so.

Der Hund geht einfach an anderen Menschen, Fahrzeugen, Hunden vorbei – uns fällt das gar teufelskreisnicht auf. So gibt es jeden Tag zahlreiche Situationen, in denen sich unser Hund ganz toll benimmt und alles richtig macht und es passiert NICHTS.

Eines Tages bellt unser Hund vielleicht mal einen Spaziergänger an. Warum, wissen wir gar nicht so genau. Vielleicht hat der komisch geguckt, sich seltsam bewegt oder unser Hund fand sonst etwas gruselig an der Person.

Und zum ersten Mal bei einer Begegnung reagiert sein Mensch!!!!

Manche mit einem netten „Nein, sei doch ruhig. Der tut dir doch nix. Ist doch gar nicht schlimm!“, andere mit einem harschen „AUS!!!!“, der nächste mit einem Ruck an der Leine oder oder oder.

Und jetzt kommt das Problem: Viele Hunde empfinden Aufmerksamkeit – auch so etwas wie „nein“, „pfui“ oder „aus“ – als Belohnung. Es ist jedenfalls besser als nichts. Und schwupps belohnen wir mit unserer Reaktion ein Verhalten, das wir eigentlich unterbinden wollten.

Das unerwünschte Verhalten tritt häufiger auf

Verhalten, die wir belohnen, treten häufiger auf. Was wird also passieren? Richtig! – Der Hund wird bei der nächsten Begegnung wieder bellen. Noch mehr „nein“, „pfui“, „aus“ oder auch „sitz“. Auf jeden Fall Aufmerksamkeit. Belohnung.

Und wenn du jetzt mal drüber nachdenkst, wann du deinen Hund rufst, ihm „sitz“ sagst, ihn auf dich aufmerksam machst, ihn an der Leine ansprichst, …. – Denk mal nach und achte mal drauf!

Ganz häufig sehe ich Hundebesitzer, die ihren Hund dann ansprechen, wenn er gerade in der Leine hängt, wenn er seinen Fokus auf dem Rest der Welt, aber überhaupt nicht bei seinem Besitzer hat. Wenn er gerade an jemandem hochspringt. Oder wenn er die Verfolgung des Joggers aufnimmt.

Aber was soll man denn tun?

„Ja, aber ich muss ihn doch rufen! Ich kann ihn doch nicht den Jogger in die Waden beißen lassen.“

„Ja, aber ich kann ihn doch nicht auf die Straße rennen lassen.“

Natürlich gibt es Situationen, wo du einfach reagieren musst. Um deinen Hund und auch die Umwelt zu schützen. ABER das sollte die AUSNAHME sein. Denn wenn du ab heute darauf achtest, wann du deinen Hund ansprichst und wann du ihm Aufmerksamkeit schenkst, wird es immer seltener zu solchen Situationen kommen.

So kommst du zur Engelsspirale

Starte doch gleich heute mit deiner persönlichen Engelsspirale. Vielleicht springt dein Hund schon wie ein Flummi, wenn du aufstehst und zur Garderobe gehst, um die Leine vom Haken zu nehmen. Das Anleinen ist schon eine Aktion für sich und draußen geht das Drama gleich munter weiter mit einem in der Leine hängenden Hund, den du ohne Ablenkung gerade noch so halten kannst – aber spätestens, wenn er etwas sieht, ist alles zu spät?!?!?

Wie fändest du es, wenn dein Hund ruhig wartet, während du ihn anleinst, ruhig durch die Tür und mit dir raus geht und draußen an lockerer Leine entspannt mit dir läuft?

Du wirst das nicht in einem Tag hinbekommen, aber wenn du bereits beim Starten eures Spaziergangs darauf achtest, was dein Hund tut, bevor du etwas tust oder sagst, wird es sehr schnell sehr viel besser werden.

So könnte es aussehen

engelsspiraleDu wartest einfach mal ab, bis dein Hund ruhig sitzt oder steht und dann leinst du ihn an. Beginnt er wieder zu zappeln, bellen oder springen, hängst du die Leine zurück und setzt dich wieder hin. Chance auf Gassigehen wurde gerade vertan.

Sobald dein Hund sich ruhig verhält, startest du einen neuen Versuch. Jedes Mal, wenn er etwas tut, was dir nicht gefällt, geht die Leine zurück und du machst nach einer kurzen Pause einen „Neustart“. Er wird schnell merken, dass es nicht losgeht, wenn er sich nicht ruhig verhält.

Wenn du es geschafft hast, die Leine an deinen ruhigen Hund zu befestigen und er auf dem Weg zur Tür den Flummi spielt, lein ihn wieder ab, häng die Leine hin, mache eine kurze Pause und es geht von vorne los.

Du kannst dir schon denken, wie das Spiel weiter geht? Genau – immer, wenn dein Hund ein Verhalten zeigt, dass du nicht haben möchtest, ist das „Spiel“ zu Ende. Neustart. Bis die Zeit, die du für deinen Hund eingeplant hast, vorbei ist.

Tipp: Beim ersten Mal solltest du nicht unter Zeitdruck sein und dein Hund nicht dringend raus müssen.

Extratipp: Zusätzliche Belohnung z.B. in Form von Leckerli bei erwünschtem Verhalten beschleunigen den Prozess.

Und noch ein Tipp: Nimm dir beim ersten Mal nur das erste Puzzleteilchen vor, also z.B. das ruhige Anleinen. Das wird dann beim nächsten Mal schon recht gut klappen, weil dein Hund schon gelernt hat, dass es nicht losgeht, wenn er sich wie ein Berserker benimmt. Dann nimmst du dir das zweite Puzzleteilchen vor, z.B. ruhiges durch die Tür gehen. Klappt das gut, geht es weiter mit dem dritten Puzzleteilchen, z.B. an lockerer Leine das Haus oder das Grundstück verlassen.

Lass deine Engelsspirale wachsen

Und so wächst deine Engelsspirale von Tag zu Tag.

Die gute Nachricht ist: Mit der Zeit wird es auch für den Menschen zur Gewohnheit, auf gute Verhalten zu achten und Signale nur dann zu geben, wenn der Hund gerade etwas tut, was einem gefällt.

Und natürlich darfst du dich freuen, wenn dein Hund immer mehr von dem zeigt, was du dir wünscht. Zeig ihm, dass du dich freust. BELOHNE ihn.

Claudia Hußmann
Hundschule Mein lieber Hund, Homberg (Efze)

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